In der Zeit von Internet-Fernsehen könnte Kabelfernsehen in Naher Zukunft der Vergangenheit angehören. Das Nebenkostenprivileg ist Schnee von Gestern und die Abschaffung wirkt sich auf Millionen von Mietern in Deutschland aus. Was das Nebenkostenprivileg eigentlich ist, warum es abgeschafft wurde und wie Sie jetzt handeln müssen, erfahren Sie hier.
Was ist das Nebenkostenprivileg?
Das Nebenkostenprivileg bezieht sich auf die Möglichkeit, dass bestimmte Kosten im Mietverhältnis vom Vermieter auf den Mieter übertragen werden können. In der Regel bezieht sich das auf Betriebskosten, die im Zusammenhang mit dem Betrieb und der Erhaltung eines Gebäudes stehen, wie zum Beispiel Kosten für Wasser, Heizung, Müllentsorgung oder die Pflege von Grünflächen. Dazu gehörten bis dieses Jahr auch die Kabelgebühren.
Oftmals schließen Vermieter Sammelverträge mit Kabelanbietern ab. Die einzelnen Mieter begleichen die Kosten für den Kabelanschluss durch ihre Betriebskostenzahlungen an den Vermieter. Dieser leitet die eingegangenen Beträge anschließend an den Kabelnetzbetreiber weiter. Diese Vorgehensweise hat zur Folge, dass Mieter für den gemeinschaftlichen Kabelanschluss aufkommen, selbst wenn sie diesen gar nicht nutzen.
In vielen Mietverhältnissen ist es üblich, dass der Vermieter nach §2 Nr. 15 der Betriebskostenverordnung (BetrKV) die Kosten für den Kabelanschluss als Teil der Betriebskosten auf den Mieter umlegt. Dadurch kann der Vermieter die Kabelgebühren, der in der Regel Fernseh- und Internetdienste umfasst, auf die Mieter verteilen. Dies setzt jedoch voraus, dass das Nebenkostenprivileg im Mietvertrag entsprechend vereinbart wurde.
Was hat sich 2024 geändert?
Das Nebenkostenprivileg wurde mit der Novellierung des Telekommunikationsgesetzes (TKG) zum 1. Dezember 2021 offiziell abgeschafft. Eine Übergangsfrist gilt noch bis zum 30. Juni 2024. Das bedeutet, dass Mieter seit 1. Juli 2024 selbst über Ihren Fernsehempfang entscheiden können. Wenn Sie also weiterhin über Kabel TV schauen wollen, müssen Sie aktiv werden. Sie müssen den bisherigen Kabel-Vertrag nicht kündigen, das übernimmt der Vermieter. Sollte dieser den Sammelvertrag nicht kündigen, muss er die Kabelgebühren ab Juni 2024 selbst tragen.

Unser Tipp: Wenn Sie Mieter sind, sollten Sie Ihren Mietvertrag überprüfen, um festzustellen, ob die Kosten für den Kabelanschluss im Rahmen der Betriebskosten aufgeführt sind und ob das Nebenkostenprivileg im Vertrag vereinbart wurde. Ist dort kein Kabelanschluss aufgeführt, ändert sich für Sie nach der Abschaffung des Nebenkostenprivilegs nichts. Wir haben Ihnen die 5 hilfreichsten Experten-Tipps zusammengefasst.
Warum wird das Nebenkostenprivileg abgeschafft?
Vor etwa 40 Jahren brachte das Kabelfernsehen eine Revolution in der TV-Landschaft, indem es die Anzahl der verfügbaren Fernsehprogramme von nur wenigen analogen Kanälen auf bis zu 30 Programme erhöhte. Um diese fortschrittliche Technologie für die breite Bevölkerung zugänglich zu machen, wurde ein Gesetz erlassen, das Vermietern erlaubte, Mehrnutzerverträge für ihre Mieter abzuschließen — das Nebenkostenprivileg.
Doch dieses Gesetz ist in Zeiten von Internet-Fernsehen lang obsolet, denn viele Deutsche nutzen kein Kabel-TV mehr. Die Anzahl der Nutzer geht jährlich zurück, und es werden vermehrt Alternativen wie IPTV, Streaming, DVB-T2 HD oder Satelliten-Fernsehen genutzt.
Vorsicht vor unseriösen Medienberatern
Die Verbraucherzentrale warnt vor sogenannten “Medienberater:innen”, die an Ihrer Tür klingeln oder Sie anrufen. Diese unseriösen Verkäfer versuchen Ihnen meist unnötige Kabelverträge anzudrehen. Lassen Sie niemanden in Ihre Wohnung, unterschreiben Sie nichts und legen Sie im Zweifelsfall einfach auf.
Sollten die Medienberater:innen ohne Erlaubnis in die Wohnung kommen, kontaktieren Sie die Polizei. Sollte der Berater Ihnen “Schwarznutzung” unterstellen, handeln Sie nicht unüberlegt und wenden Sie sich vorerst an die Beratungsstelle der Verbraucherzentrale. Sollten Sie postalische Werbung, auch teiladressiert, z. B. “An die Bewohner:innen des Hauses” erhalten, dann ignorieren Sie diese einfach.

Alternativen zum Kabel-TV
Seit Juni 2024 entscheiden Sie selbst, ob Sie für einen Kabelanschluss zahlen wollen oder sich für eine Alternative entscheiden. Wenn Sie auf das TV-Erlebnis nicht verzichten wollen, dann empfehlen sich die folgenden Kabel-TV-Alternativen:
- Satellitenfernsehen: Über Satellitenschüsseln kann man Satellitenfernsehen empfangen. Verschiedene Anbieter bieten eine breite Palette von Kanälen an.
- IPTV (Internet Protocol Television): IPTV ermöglicht das Fernsehen über das Internet. Es gibt spezialisierte Dienstleister, die TV-Signale über das Internet übertragen, und auch viele Internetdienstanbieter integrieren IPTV in ihre Angebote.
- Streamingdienste: Plattformen wie Netflix, Hulu, Amazon Prime Video und Disney+ bieten eine Vielzahl von TV-Serien, Filmen und Originalinhalten über das Internet an. Der Zugriff erfolgt in der Regel über Smart-TVs, Streaming-Geräte oder Computer.
- Digitale Antenne (DVB-T2): Der Empfang von terrestrischem Digitalfernsehen über eine Antenne ist in vielen Regionen möglich. Hierfür benötigt man ein DVB-T2-Empfangsgerät.
- Kostenlose Online-Inhalte: Es gibt viele Websites und Plattformen, die kostenlose Online-Inhalte, einschließlich Nachrichten, Shows und Webserien, anbieten.
- Pay-TV über Internetdienstanbieter: Einige Internetdienstanbieter bieten auch Fernsehpakete über das Internet an, die unabhängig von traditionellen Kabeldiensten sind.
Die besten Kabel-TV- und Internet-TV-Anbieter
Wenn Sie trotz Abschaffung des Nebenkostenprivilegs nicht auf Kabelfernsehen verzichten wollen, können Sie sich bei den führenden Anbietern nach einem Einzelvertrag umschauen. Alternativ können Sie auch Internet-TV buchen. Wir empfehlen die folgenden Anbieter für ein unvergessliches TV-Erlebnis:
eazy
Bei eazy können Sie auf Wunsch zum eazy50 Cable Kabel-Internet-Tarif Kabelfernsehen mit über 90 Sendern direkt dazubuchen. Es gibt 2 Tarife: TV Connect Start und TV Connect Zuhause.
O2
Bei O2 können Sie zwischen Internet-TV-Angeboten wie Pay-TV (40 HD-Pay-TV-Sender) oder O2 TV (130 Dull-HD Sendern plus Netflix) wählen.
Vodafone
Bei Vodafone, dem größten Kabel-Anbieter Deutschlands, können Sie sich mit TV Connect Start Ihren eigenen Kabelanschluss-Vertrag abschließen. Außerdem bekommen Sie, wenn Sie Highspeed Kabel-Internet buchen, auf Wunsch Kabelfernsehen mit bis zu 90 Sendern direkt dazu. Natürlich gibt es hier auch Internet-TV-Angebote.
Telekom
Bei der Telekom können Sie MagentaTV auf Wunsch mit oder ohne Internet buchen. Im Internet-TV-Angebot sind über 180 Sender enthalten, sowie RTL+ Premium, Netflix und Disney+.
PYUR
Bei PYUR können Sie Kabelfernsehen einzeln oder im Paket mit Internet und Festnetz buchen. Sie erhalten Zugang zu öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern in HD-Qualität — und benötigen kein zusätzliches Gerät oder Fernbedienung.
Waipu
Mit Waipu ist ein Internet-TV- Anbieter bei dem Sie digital und von überall aus beste TV-Unterhaltung genießen können — auf bis zu 4 Geräten gleichzeitig. Waipu überzeugt mit mehr als 250 TV-Sendern, Free-TV, Pay-TV und VoD. Sie brauchen nicht einmal ein internetfähiges Fernsehgerät, denn mit dem Waipu 4K Stick wird Ihr Fernseher zum Smart-TV.
M-net
Beim regionalen Anbieter M-net können Sie Internet-TV optional zum Glasfaserinternet dazubuchen. Sie erhalten Zugang zu mehr als 110 Sendern, mehr als 90 in HD sowie 50 Stunden Aufnahmespeicher inklusive.

FAQs zum Thema Kabelanschluss und Nebenkostenprivileg
Wann wurde das Nebenkostenprivileg abgeschafft?
Das Nebenkostenprivileg wurde offiziell am 30. Juni 2024 abgeschafft.
Welche Konsequenzen hat die Abschaffung des Nebenkostenprivilegs?
Seit 1. Juli 2024 sollten Sie entweder den bestehenden Kabelanschluss per Einzelnutzervertrag verlängert haben oder auf eine Kabel-TV-Alternative umgestiegen sein.
Was passiert, wenn der Kabelanschluss nicht genutzt wird?
Wenn Sie Ihren Kabelanschluss nicht mehr nutzen, dann wird dieser durch den Kabelanbieter gesperrt — entweder zentral vom Keller des Hauses oder in Ihrer Wohnung.
Können Internet und Telefon über das Kabel auch ohne TV-Vertrag genutzt werden?
Ja, in vielen Fällen können Internet- und Telefonanschlüsse über das Kabel auch ohne einen TV-Vertrag genutzt werden. Dafür wird eine sogenannte Filterdose durch den Anbieter installiert.
Welche Alternativen gibt es zum Kabelanschluss?
Alternativen zum Kabelanschluss sind unter anderem Satellitenfernsehen, IPTV (Internet Protocol Television), Streamingdienste wie Netflix oder Amazon Prime Video, terrestrisches Digitalfernsehen über eine digitale Antenne (DVB-T2), kostenlose Online-Inhalte sowie Fernsehpakete über Internetdienstanbieter.
Wird der Kabelanschluss teurer?
Die Kabelgebühren werden laut Verbraucherzentrale zwar leicht ansteigen, aber diese Erhöhung wird sich im Bereich von maximal 2 bis 3 Euro pro Monat bewegen.
Weitere interessante Artikel
